Die Europäische Union und die Bundes- republik Deutschland haben sich das Ziel gesetzt, bis 2050 vollständig klimaneutral zu werden. Hierfür wird es u. a. nötig sein, die Nutzung von fossilem Erdgas schrittweise auf CO2-neutrale Gase umzustel- len und innovative Technologien wie Power-to-Gas voranzubringen.
CO2-neutrale gasförmige Energieträger werden im künftigen Energiesystem einen signifikanten und unverzichtbaren Beitrag zu einer sektorenübergreifenden, integrierten Energiewende leisten. Zahlreiche Studien der letzten Jahre, wie etwa die „dena-Leitstudie Integrierte Energiewende“, belegen: Ein zukünftiges volkswirt- schaftlich effizientes, nachhaltiges und für alle nutzbares Energie- system benötigt die Gasverteilnetze.[1] Denn es besteht nicht nur aus einer reinen Stromwelt, sondern beinhaltet auch CO2-neutrale molekülgebundene Energie in signifikantem Umfang. Die Einbin- dung CO2-neutraler Gase in die vorhandene Gasinfrastruktur er- möglicht hierbei die Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit des künftigen klimaneutralen Energiesystems.
Das Gasnetz bietet in diesem Kontext die notwendige Flexibilität, große Mengen Wasserstoff aufzunehmen. Darüber hinaus ermög- licht es auch effektive Sektorenkopplung über Power-to-Gas- Technologien, die inländische Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in die Gasnetz- und Gasspeicherstrukturen integrieren. So kann der erneuerbare Strom langfristig gespeichert und als Gas über lange Strecken transportiert werden. Damit wird zu- gleich der Umfang des notwendigen bundesweiten Ausbaus der Stromnetze auf allen Spannungsebenen auf ein volkswirtschaft- lich notwendiges und damit gesellschaftlich akzeptables Maß hin optimiert.
Wasserstoff sorgt bei weitem nicht nur dafür, dass zahlreiche Industrieprozesse sukzessive dekarbonisiert werden können. Gerade auch im Wärmemarkt können mit Wasserstoff enorme CO2-Minderungspotenziale, insbesondere im Gebäudebestand, in einem strukturierten und transparenten Prozess und zu ge- ringen Kosten gehoben werden. Auch im Bereich der Mobilität ergeben sich neue Anwendungsfelder und Nutzungsperspektiven, die die Klimaneutralität des Sektors ermöglichen.
Schon heute begleitet die Gaswirtschaft den umfassenden Trans- formationsprozess zur Klimaneutralität mit intensiver Forschung und zahlreichen Pilotprojekten. Sie dokumentiert so ihr Selbstver- ständnis und ihr Bekenntnis dazu, aktiv das klimaneutrale Energie- system der Zukunft zu ermöglichen und zu gestalten.
Im Rahmen des Projektes „H2vorOrt“ haben sich 33 Projektpartner zusammengeschlossen, um der Frage nachzugehen, wie eine regionale und sichere Versorgung mit klimaneutralen Gasen in Zukunft bundesweit konkret ausgestaltet werden kann und welcher Transformationspfad hierfür durchlaufen werden muss. Dabei steht Wasserstoff als klimaneutraler Energieträger und Bindeglied zwischen den Sektoren und Infrastrukturen besonders im Fokus.* Begleitet wurden sie dabei vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, dem zentralen Impulsgeber und technisch-wissen- schaftlichen Partner.
Die Projektpartner von H2vorOrt bekennen sich vollumfänglich zu den Pariser Klimaschutzzielen und arbeiten aktiv daran, die Klimaneutralität in allen von ihnen heute und zukünftig belieferten Sektoren bis 2050 zu ermöglichen.
Die Politik hat das Potenzial von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft grundsätzlich erkannt und in der Europäischen und in der Nationalen Wasserstoffstrategie die Weichen für den Aufbau einer umfassenden und nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft gestellt. Nun gilt es, im Dialog mit Anwendern aus allen Sektoren, Energieerzeugern und Infrastrukturbetreibern den notwendigen Markthochlauf der Wasserstoffnutzung und die dazugehörigen Anwendungstechnologien voranzubringen und dabei den Wärme- markt einzubeziehen. Die Projektpartner von H2vorOrt möchten mit dem vorliegenden Grundsatzpapier einen Beitrag dazu leisten und stehen für einen konstruktiven Dialog darüber mit Politik und Zivilgesellschaft gerne zur Verfügung.